Chronik

Gründerjahre in Behelfsräumen 1957 - 1959

1964

Am 18. Juni 1957 teilte das Unterrichtsministerium der Stadt Straubing mit, dass die Errichtung einer dreistufigen Knabenmittelschule in Aussicht genommen ist. Schulleiter soll der Mittelschullehrer Viktor Kreuzinger von der Mittelschule Neustadt a. d. Waldnaab werden. Der Stadtrat stimmte der Errichtung der neuen Schule zu und übernahm den Sachbedarf. Ein großer Schulsaal in der alten St. Josef-Schule soll geteilt werden, um die zu erwartenden beiden Klassen der Mittelschule aufzunehmen. Im Erdgeschoss dieses Gebäudes wurde ein Raum als Zimmer des Schulleiters bestimmt.

Am 3. September 1957 nahm die Mittelschule mit 70 Schülern in zwei Klassen ihren Betrieb auf. Als hauptamtliche Lehrer standen neben dem Schulleiter die Mittelschul-Oberlehrer Josef Bauer und Ferdinand Kuschel zur Verfügung.

In der ersten Elternversammlung erschienen an die 80 Eltern, die den Elternbeirat wählten, dessen erster Vorsitzender Rektor a.D. Kurt Steidinger wurde. Das Hauptthema in den Elternversammlungen der ersten Jahre war die Raumfrage. Die Räume in der St. Josefs-Schule reichten natürlich nicht mehr aus. Um Schichtunterricht zu vermeiden, mussten unbedingt Ausweichräume beschafft werden. Für das Schuljahr 58/59 wurden schließlich noch zwei Räume im Tiefgeschoss des St. Josef-Kindergartens in der Von-Leistner-Straße zur Verfügung gestellt, sodass die vier Klassen in zwei getrennten Gebäuden unterrichtet wurden.

In den Elternbeirat wurde der damalige Heimleiter und spätere Staatsminister Alfred Dick gewählt, der lange Jahre dem Elternbeirat der Schule angehörte. Sein Einsatz für die Mittelschule prägte die schwierigen ersten Jahre der Gründung und Entwicklung.

In der Hauptausschusssitzung des Stadtrates am 17. November 1958 wurde beschlossen, dass die Mittelschule nach Instandsetzung der alten Berufsschule in der Jesuitengasse dort einziehen soll.

Jahre der Entwicklung in der Jesuitengasse

Zu Beginn des Schuljahres 1959/60 konnte die Mittelschule in das alte Gebäude der ehemaligen Berufsschule in die Jesuitengasse einziehen. Am Ende der großen Ferien wurden mit Hilfe einer Schülerarbeitsgruppe die Schulmöbel aus dem Altbau der St.-Josef-Schule und aus den beiden Behelfsräumen des Kindergartens sowie die Büromöbel des Direktorats und des Lehrerzimmers in die renovierte alte Berufsschule geschafft. Mit dem Umzug war zunächst einmal die Raumfrage gelöst. Allerdings war das alte Gemäuer "In der Bürg" in einem desolaten Zustand, so dass sofort einige Verbesserungsarbeiten notwendig wurden. Der Stadtrat beschloss einstimmig, die drei ungenutzten Hofsäle im alten Berufsschulgebäude zu einer Gymnastikhalle umzubauen, die dann auch für andere schulische Belange zur Verfügung stehen sollte.

Am 03. November 1959 erschien im Straubinger Tagblatt ein Bericht über eine sehr gut besuchte Elternversammlung (250 Eltern waren anwesend!), der einen Einblick in die Verhältnisse im Schulgebäude gab: "... Freilich bleiben noch viele Wünsche offen. So konnte zum Beispiel die rückständige Ofenheizung noch nicht beseitigt werden, die Türen mit ihren Schlössern, die Fußböden, Treppen, Klosetts und die Fenster der Rückfront stammen noch aus der Zeit der Erbauung des alten Gebäudes. So bot sich den Schülern auf dem dunklen und winkeligen Weg zum hinteren Hofe auch der Anblick eines ausgewachsenen Karzers dar mit sechs Zellen, aus dicken Bohlen gefertigt und mit Blech ausgeschlagen mit je einem "Spion" an der Türe, ein Blick in die Erziehungsmethoden der vergangenen Jahrhunderte." Trotz dieser Mängel freute sich die Mittelschule, dass sie endlich eine Bleibe besaß und zunächst auch genügend Räume zur Verfügung hatte.

Bald schon zeigte sich aber, dass diese Gebäude dem enormen Schülerandrang nicht gerecht werden konnten. Die Schülerzahlen stiegen rasch auf über 300 an, die Klassenzahlen über zehn. Nach längerem Bemühen wurde von der Stadt ein Unterrichtsraum der Mädchenabteilung der Berufsschule in der Pestalozzistraße zur Verfügung gestellt.

Der Zustrom zur Mittelschule hielt auch in den kommenden Jahren an, die Raumnot wurde immer drängender, zum ersten Mal wurde ein Neubau gefordert. "Auf weite Sicht gesehen wird für diese Schule, die raummäßig aus allen Nähten platzt, ein Neubau nicht zu umgehen sein", hieß es in der Ausgabe des Straubinger Tagblattes vom 07.06.1962.

Auch wenn in den kommenden Jahren im benachbarten Altbau des Deutschen Gymnasiums (der alten Lehrerbildungsanstalt) Klassen untergebracht werden konnten, entsprach die Unterbringung der Mittelschule in keiner Weise mehr den Anforderungen. Die Eltern wurden immer ungehaltener, man warf der Stadt vor, die Mittelschule sei das "Aschenbrödel" unter den Straubinger Schulen. Die Schule und ihre Unterbringung wurde zu einem brennend heißen Politikum in Straubing.

1964 zeigte sich dann ein erster Hoffnungsschimmer am Horizont. Landtagsabgeordneter und Elternbeiratsmitglied Alfred Dick bezeichnete bei der Abschlussfeier den derzeitigen Zustand der Straubinger Mittelschule als ein Provisorium, da die Stadt bereits den Neubau des Ludwigsgymnasiums in Angriff genommen habe. Die Mittelschule könne dann in das freiwerdende Gebäude am Stetthaimerplatz einziehen.

Um die Zeit bis zur Fertigstellung des neuen Ludwigsgymnasiums halbwegs überbrücken zu können, wurden im Gebäude "In der Bürg" Verbesserungsarbeiten vorgenommen. Außerdem wurden im neu erworbenen Haus am Pfarrplatz 10 Räume zu Klassenzimmern umgebaut.

1965 bezog die Schule den renovierten Nebenbau, Pfarrplatz 10, mit fünf Klassen und den Werkraum mit Nebenräumen sowie Lehrerzimmer. Als dann im kommenden Jahr die Schülerzahl auf nahezu 500 stieg, musste noch ein Raum im Staatlichen Schülerheim angemietet werden, so dass jetzt die 15 Klassen in drei Gebäuden untergebracht waren; neun Klassen im Hauptbau "In der Bürg", fünf befanden sich im Gebäude am Pfarrplatz und eine Klasse im Schülerheim. Auch wenn die drei Häuser relativ nahe beieinander lagen, erfuhr der Unterricht durch das ständige Hin- und Herpendeln der Lehrkräfte eine bedenkliche Benachteiligung, so dass sich der Zeitverlust bei Stundenwechsel im Laufe eines Jahres zu einem sehr beachtlichen Defizit summierte. Auch in den Pausen herrschte eine bedrückende Enge; für jeden Schüler standen nur 1,51 qm zur Verfügung, eine Zahl, die nicht mal ein Minimum an Bewegungsfreiheit einräumte. Die desolaten Raumverhältnisse an der Realschule wurden immer mehr zum öffentlichen Ärgernis. Die Realschule hoffte weiter auf das freiwerdende Gebäude am Stetthaimerplatz.

Im März 1969 kam ein neuer Gedanke in die Unterbringungsdiskussion. Die Staatsregierung in München beschloss, für das stark anwachsende Anton-Bruckner-Gymnasium eine neue Schule mit angeschlossenem Schülerheim zu errichten. Das relativ neue Gebäude am Stadtgraben wurde der Stadt Straubing zu einem sehr günstigen Preis überlassen. Die Realschule könnte dann, so der neue Vorschlag, in das Gebäude des Anton-Bruckner-Gymnasiums am Stadtgraben einziehen, wenn der Neubau dieser Anstalt fertig gestellt sein würde. Das bereits leere Gebäude am Stetthaimerplatz sollte der Stadtverwaltung zur Verfügung stehen. Schulleiter Kreuzinger wehrte sich gegen diesen Plan, weil er befürchtete, dass sich sie Realschule bis zur Fertigstellung des Neubaus des ABG noch weitere Jahre mit den untragbaren Zuständen abfinden müsse.

Im Juli 1969 wurde aber der Not gehorchend doch beschlossen, dass die Schule vorübergehend mit zunächst elf Klassen einziehen soll. Die restlichen fünf Klassen verblieben im Gebäude am Pfarrplatz. Damit war die Schule immer noch auf zwei Gebäude verteilt, die zudem relativ weit voneinander entfernt lagen. Dieser Zustand hinterließ umso mehr Unverständnis, als im Gebäude am Stetthaimerplatz durchaus die Räume für die restlichen Klassen vorhanden gewesen wären, diese jedoch als Verwaltungsräume genutzt wurden. Dahinter steckte jedoch die Absicht, das Gebäude am Stetthaimerplatz der Verwaltung zur Verfügung zu stellen und die Realschule nach Fertigstellung des Anton-Bruckner-Gymnasiums in das freiwerdende Gebäude am Stadtgraben (der heutigen FOS) zu verlegen. Die Realschule sollte also nur eine vorübergehende Bleibe am Stetthaimerplatz haben.

Die Entwicklung der Realschule am Stetthaimerplatz seit 1970

1975

Die Sachargumente setzten sich endlich durch. In den Osterferien 1970 konnten auch die restlichen fünf Klassen in das Gebäude am Stetthaimerplatz umziehen. "Damit ist ein langwieriger und aufreibender Nervenkrieg zu Ende gegangen, der sowohl bei der Schulleitung als auch bei der Stadt viel böses Blut verursacht hat" (Straubinger Tagblatt vom 11.04.70). Eine 13-jährige "Odyssee" war damit beendet.

Noch nicht aber der Streit um die endgültige Unterbringung. Am 1. Juni 1970 beschloss nämlich der Hauptausschuss des Stadtrats, die Errichtung einer Fachoberschule zu beantragen. Dieser Beschluss sollte in den nächsten Jahren auch die Realschule berühren. Es galt ja immer noch die Zusage der Stadt, dass die Realschule nach dem Neubau des Anton-Bruckner-Gymnasiums in das Gebäude am Stadtgraben einziehen sollte. Doch plötzlich war für dieses fast neue Gebäude ein Konkurrent aufgetaucht. Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen den betroffenen Schulen, der Realschule und der Fachoberschule, nach zahlreichen Leserzuschriften im Straubinger Tagblatt, die sich sowohl für die eine wie für die andere Lösung aussprachen, fiel dann am 26. Juli 1976 die endgültige Entscheidung: Die Realschule bleibt am Stetthaimerplatz.

Ein anderes Ereignis beeinträchtigte in diesen Jahren den Schulfrieden ganz erheblich. Nachdem ein Teil des ehemaligen Schulhofs schon seit Jahren zu einem öffentlichen Parkplatz umfunktioniert worden war, reifte in den beginnenden 70-er Jahren der Plan, dort ein Parkhaus zu errichten. Die Schule wehrte sich heftig, unterstützt von vielen Leserbriefschreibern, gegen dieses Vorhaben. Ohne Erfolg! Das Parkhaus wurde 1976 erbaut und "schiebt sich mit seiner Südflanke noch einige Meter in den ohnehin schon arg dezimierten Pausenhof der Schule hinein. Parkhaus und Schule sind aufs engste verzahnt" (Leserzuschrift vom 25. Mai 1976). Als Ausgleich erhielt die Realschule eine Erweiterung des Schulhofes an der Nordseite und das Versprechen, dass der Schulhof begrünt würde. Der Geschäftsführer der Parkhaus GmbH, Ing. Fred Schreiner, erklärte in einer öffentlichen Stadtratssitzung, "nach dem Parkhausbau wird der Schulhof begrünt" (Straubinger Tagblatt vom 1. Juni 1976). In den kommenden Jahren pochte die Schule immer wieder auf die Einlösung dieses Versprechens, 1985 reichte eine Schülergruppe einen Gestaltungsvorschlag ein, der vom damaligen Umweltminister Alfred Dick sogar einen Preis zugesprochen bekam, es geschah aber nicht viel; die Stadt wollte nicht darauf verzichten, den Schulhof der Realschule als öffentlichen Parkplatz zu verwenden. Damit war der Gestaltung ein Riegel vorgeschoben. Erst nach 21 Jahren gelang es der Schule, einen wesentlichen Schritt weiterzukommen: 1997 fasste der Stadtrat den Entschluss, dass der Schulhof nicht mehr als öffentlicher Parkplatz zur Verfügung steht. Die Schule hat in diesem Tag mit der Gestaltung des Schulhofes begonnen, die hauptsächlich aus Mitteln der Elternspende finanziert wurde.

Erweiterungs- und Sanierungsmaßnahmen

Nach diesen ersten unruhigen Jahren am Stetthaimerplatz, die hauptsächlich in die Zeit von 1973 bis 1976 fielen, kann sich die Arbeit der Schulleitung - 1973 löste RD Josef Bauer den Gründungsdirektor Viktor Kreuzinger ab - auf die Erweiterung und Sanierung des Gebäudes konzentrieren. Die Stadt Straubing als Sachaufwandsträger und die Schulleitung waren sich einig, dass das aus dem Jahr 1913 stammende Gebäude erhebliche Mängel aufweist und in keiner Weise mehr den Anforderungen einer inzwischen auf nahezu 600 Schüler angewachsenen Schule entspricht. In der Amtszeit von Realschuldirektor Bauer wurde mit umfangreichen Baumaßnahmen begonnen. Außer Verbesserungen im Bereich der Turnhalle und dem Einbau einer neuen Heizung wurde ein Erweiterungsbau erstellt, der drei Klassenzimmer, einen Chemiesaal und mehrere Nebenräume enthält. Damit ist die Raumnot behoben, in der sich die Realschule seit Bestehen befindet.

Am 1. August 1978 übernahm Realschuldirektor Siegmund Lang die Leitung der Realschule. In seiner Amtsperiode führte man die Renovierung des Seitenflügels sowie Sanierungsarbeiten im Haupttrakt durch. Bis 1981 hat die Stadt als Trägerin des Sachaufwandes bereits ca. eine Million für Modernisierung und Ausbau des alten Schulgebäudes zur Verfügung gestellt.

1985 wurde Realschuldirektor Anton Bauriedel Schulleiter an der Staatlichen Realschule. Er setzte alles daran, die Sanierungsmaßnahmen fortzusetzen. So wurden z. B. 1986 für die Erneuerung sämtlicher Toilettenanlagen 250 000 zur Verfügung gestellt.

Seit der Ruhestandsversetzung von RSR Bauriedl im Jahre 1989 leitet RSR Friedrich Karl die Schule. Er strebte von Anfang an die Renovierung der Außenfassade an. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Beginn unseres Jahrhunderts sollte wieder Blickfang in der Straubinger City werden. Dieses Vorhaben gelang in den Jahren 1991 bis 1994 ganz hervorragend. Die Stadt ließ sich die Renovierung der Außenfassade viel Geld kosten. Auch im Innern des Gebäudes wurden Verschönerungsarbeiten und Ausbesserungen durchgeführt. 1997 wurde der Schulhof angelegt - ein weiteres großes Anliegen von RSR Karl-, Knaben, die jetzt "Jakob-Sandtner-Schule" heißt. Das Aussehen soll ihrer Bedeutung entsprechen.

Inhaltliche Entwicklungen - Unterricht und Erziehung

2006

Ein Charakteristikum der Realschule, das die Berufsorientierung dieses Schultyps besonders kennzeichnet, ist die Unterscheidung in Wahlpflichtfächergruppen, in sog. "Züge". Im zweiten Jahr ihres Schulbesuchs an der Realschule können sich die Schüler für eine bestimmte beruflich orientierte Richtung entscheiden. Diese Differenzierung kam an der Knabenmittelschule im September 1958 zum ersten Mal zum Tragen. Es wurden die mathematisch-naturwissenschaftliche und die wirtschaftskundliche Gruppe eingeführt, die bis heute an der Schule angeboten werden. So wurde mit Beginn des Schuljahres 58/59 der Schreibmaschinenunterricht unter Leitung von Dietmar Vollmann aufgenommen. Es standen 20 schuleigene Schreibmaschinen zur Verfügung.

Im selben Schuljahr fiel der Entschluss, die dreistufige Mittelschule in eine vierstufige umzuwandeln. Im Juni 1959 traten insgesamt 150 Schüler zur Aufnahmeprüfung an, teil in die dreistufige, teils in die vierstufige Form. Zur Durchführung der Prüfung musste der Saal der Volksheimgaststätten in der von-Leistner-Straße angemietet werden. In der Abschlussfeier am 18. Juli 1962 erklärte der Schulleiter, Mittelschuldirektor Viktor Kreuzinger, dass mit diesem Absolviajahrgang die dreistufige Form der Mittelschule abgeschlossen sei.

Auch wenn die räumlichen Voraussetzungen in diesen Jahren des Bestehens alles andere als günstig sind, zeigte die Knabenmittelschule in zahlreichen Veranstaltungen immer wieder, dass der musischen Erziehung, der Freude am künstlerischen Gestalten und der Freude an der Bewegung ein großer Stellenwert eingeräumt wird. Besonderen Anklang fanden bei den Eltern die Ausstellungen der Arbeiten aus dem Werkunterricht, hier vor allem die Weihnachtskrippen, des Weiteren die Aufführungen der Theater- und Musikgruppen und zuletzt die hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet des Sports.

Im April 1962 wurde die Schule Ausbildungsschule für "Lehramtsanwärter an Mittelschulen", wie es damals hieß. Die Leitung des Seminars und die Ausbildung in Geschichte übernahm Direktor Kreuzinger, Herr Peters wurde Seminarlehrer für Englisch und H. H. Dr. Haas für Katholische Religionslehre. Ab 1965 konnte die Schule diese Aufgabe wegen der ungünstigen äußeren Bedingungen nicht mehr wahrnehmen. Erst als sich die räumlichen Verhältnisse am Stetthaimerplatz entscheidend verbessert hatten, wurde die Knabenrealschule Straubing (seit 1965 heißen die Mittelschulen Realschulen) unter der Leitung von StR Rudolf Zimmerhackl wieder Seminarschule für die Fachrichtungen Englisch (Seminarlehrer StR Matthias Rauscher) und Französisch (StR Peter Hofmeister). Peter Hofmeister wurde 1975 zum Realschulkonrektor befördert und an die Staatliche Realschule Taufkirchen bei München versetzt. Mit dieser Personalveränderung gab die die Knabenrealschule ihre Aufgabe als Seminarschule ab.

Die Staatliche Realschule Straubing hat sich im Laufe ihrer 40-jährigen Geschichte auch den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen gestellt. Beispielhaft soll die Entwicklung im Bereich der EDV und der Kommunikationstechnologie genannt werden. 1981 ergriff Realschulkonrektor Hans Forster die Initative und bot erstmals Wahlunterricht in Informatik an. Damit schuf er die Basis für eine Entwicklung, die in den nächsten Jahren steil nach oben führte, zunächst unter Ägide von RSL Kuno Meßmann (heute Schulleiter an der Staatlichen Realschule Miesbach), ab 1991 unter Leitung und Federführung von RSL Franz Hollmer. Die beiden Kollegen Meßmann und Hollmer geben als Mitarbeiter des Ministerialbeauftragten der Entwicklung der Informatik und Kommunikationstechnologie in ganz Niederbayern entscheidende Impulse. Bis 2000 kümmerte sich Franz Hollmer alleine um die Wartung und Instandhaltung der Computersääle. Dies war kein leichtes unterfangen, da die Technik teilweise veraltet und sehr anfällig war. Es wurden viele Nachmittage dafür geopfert. Er erreichte dabei unter höchster Anstrengung, dass wir 1999 einen neuen Computersaal bekamen. Ab 2000 kümmert Franz Hollmer sich zusammen mit unseren neuen RSR Ludwig Erl um die Computersäle. 2001 wurde auch der 2. Computersaal modernisiert. Am Anfang dieses Jahres wurde auch der Zeichensaal mit Computergeräte ausgestattet. Die Realschule hat damit den Anschluss an die moderne Zeit nicht verpasst. Das Projekt "Offener Informatiksaal", das 2001 eingeführt wurde, ermöglichte den Schülern nachmittags z. B. für Referate Informationen aus dem Internet zu gewinnen.

In diesem Zusammenhang muss auch die Hinwendung zur Textverarbeitung erwähnt werden, die in den 80er und in den 90er Jahren immer mehr und schließlich ganz den Schreibmaschinenunterricht verdrängte. Im Schuljahr 96/97 wandelte die Schule den kaum mehr benützten Schreibmaschinensaal in ein Klassenzimmer um und stellte die noch gut funktionierenden elektronischen Maschinen der Hauptschule St. Peter zur Verfügung. Auch bei der Einführung der Textverarbeitung im Regierungsbezirk kam der Schule eine besondere Bedeutung zu. Dietmar Vollmann wurde 1986 die ehrenvolle Aufgabe übertragen, die Lehrerausbildung in Textverarbeitung, die Lehrerausbildung in Textverarbeitung für die Region Niederbayern zu organisieren und voranzutreiben. Auch er setzte in den kommenden Jahren als Mitarbeiter beim Ministerialbeauftragten entscheidende Impulse für die Entwicklung der Textverarbeitung im Realschulbereich.

Als besonders erfreutlich dürfen auch die Anstrengungen und Entwicklungen im musischen Bereich erwähnt werden. Der erzieherische Wert des Theaterspielens wurde an der Schule von Beginn an erkannt. Schon im Jahr 1960 trat die Theatergruppe der Realschule unter Leitung des damaligen Mittelschullehrers Zeman-Zachar mit einem "Paradeisspiel" von Oberufer an die Öffentlichkeit und erntete damit großes Lob. Nach einer vorübergehenden Flaute in den 70er Jahren blühte dann das Theaterspielen 1984 unter der Leitung von StRin Helga Jaeger wieder voll auf. Als besonderen Höhepunkt kann die Chronik die Aufführung des "Lumpazivagabundus" von Nestroy im Jahre 1991 nennen. Ab dem Schuljahr 91/92 führt dann die RSlin Christiana Beck die Arbeit mit der Theatergruppe fort und wurde 1995 ein paar Jahre von RSLin Steziwka tatkräftig unterstützt. Unter den zahlreichen Aufführungen soll das selbst erarbeitete Stück "Herr der Fliegen" nach dem Roman von William Golding erwähnt werden, mit dem sich die Spielgruppe auch an den 11. Schulspieltagen der bayerischen Realschulen in Brannenburg beteiligte. Welchen Stellenwert das Theaterspielen an der Schule hat, zeigt sich auch darin, dass die Staatliche Realschule Straubing die Organisation und Durchführung der 9. Schulspieltage der bayerischen Realschulen im Jahre 1993 übernahm.

In der musikalischen Erziehung werden die großen Akzente vor allem im Wahlunterricht gesetzt. Mit Engagement und Fachkompetenz gelang es den Musiklehrkräften immer wieder, verschiedene Instrumentalgruppen aufzubauen, wobei die Blasinstrumente besonderen Zuspruch erfahren. Alljährlich umrahmen diese Gruppen die Feierstunden der Schule mit ihren Beiträgen, Hausmusikabenden sind zur ständigen Einrichtung geworden, neuerdings beteiligen sie sich gemeinsam mit der Theatergruppe an den Straubinger Rathaushof-Spielen. Es kann hier nicht annähernd auf die zahlreichen Auftritte und die großartigen Leistungen der Musikgruppen eingegangen werden. Stellvertretend sie jedoch eine Aufführung genannt, die im Jahr 1994 größte Beachtung erfuhr: Unter der Leitung der damaligen Barbara Nußhart und Susanne Schiri wurde im Stadttheater am Hagen das Musical "Cats" aufgeführt. 72 Schüler der Schule, das waren ca. 20%, beteiligten sich aktiv an der Aufführung. Besonders beachtenswert war, dass die Musik nicht aus der "Konserve" kam, sondern vom Schulorchester gespielt wurde. Zusammenfassend darf gesagt werden, dass es den Musiklehrern und -lehrerinnen in beeindruckender Weise gelungen ist und bis heute gelingt, die jungen Menschen an lebendiges Musizieren heranzuführen. Die Staatliche Realschule Straubing beweist, dass auch an einer reinen "Knabenschule" musische Erziehung von hoher Qualität möglich ist.

An unserer Schule gibt es natürlich auch eine Schülerlesebücherei. Die Leitung hat September 1998 Christine Schießl von Helga Jaeger übernommen. Anfang 1999 wurde ein neueres Büchereiprogramm verwendet. Dadurch erhielten wir durch Wirken von Franz Hollmer 2 neue Computer für den Internetzugang. Jeder Schüler der Schule konnte so nachmittags an 2 Computern das Internet nutzen. Es wurden auch viele neue Bücher angeschafft. Beispielweise Computer- und Jugendbücher wurden gekauft. Es konnte beobachtet werden, dass die ausgeliehenen Bücher von Jahr zu Jahr zunahm. Besonders die 5. Klasse leiht viele Bücher aus. Über diese Entwicklung kann man stolz sein.

Auf eine besondere Aufgabe sei noch hingewiesen, welche die Staatliche Realschule zwischen 1991 und 1994 übernahm: Es wurde an der Schule eine sogenannte "Besondere 10. Klasse" eingerichtet. Damals wurden an einigen wenigen Schulen eines Regierungsbezirks besonders begabte Hauptschüler mit einem guten qualifizierenden Hauptschulabschluss zusammengefasst und in besonderen 10. Klassen auf den Realschulabschluss vorbereitet. In den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik mussten große Anstrengungen unternommen werden, um dieses Ziel zu erreichen. Die Lehrer unserer Schule widmeten sich mit größten Engagement dieser Aufgabe und erzielten ganz erfreuliche Ergebnisse. Als angenehm wurde empfunden, dass zum ersten Mal auch Mädchen an der Schule unterrichtet wurden, eine Bereicherung, die vor allem beim Theaterspielen und beim Musizieren zum Tragen kam. Als 1994 die Realschulen diese "Besonderen 10. Klassen" an die Hauptschulen abtreten mussten, wo sie seither als "Freiwillige 10. Klassen" geführt werden, wurde dies allseits als Verlust empfunden und sehr bedauert.

Im Rahmen dieser Homepage kann nur ein knapper Überblick über die äußere und innere Entwicklung unserer Schule gegeben werden. Die äußere Entwicklung ist geprägt vom Ringen um eine angemessene Unterbringung, die erforderlich ist, um die unterrichtlichen und erzieherischen Aufgaben einer Schule erfüllen zu können. Nach innen zeigt sich das Bestreben, den Unterricht in Inhalt und Methode stets einer sich rasch wandelnden Zeit anzupassen, innovativ und kreativ zu reagieren und den Mut zu haben, auch neue Wege zu gehen. Neben dem Unterricht muss der Erziehung immer größere Bedeutung zugemessen werden. Von besonderer Wichtigkeit sind hier die außerunterrichtlichen Aktivitäten. Lebendiges Miteinander - Musizieren, Schulspiel, Sportfeste, Kochkunst und aktive Mitarbeit in der SMV, Gottesdienste und Meditationen, Feierstunden und Schulfeste sowie Formen des sozialen Engagements kennzeichnen eine lebendige Schule, die für den jungen Menschen zu einem echten Lebensraum werden kann. 

Die Realschule stellte in vielen Bereichen für ihre Schüler neue Weichen: Die berufliche Orientierung spielte bereits ab 1996 mit einer eigenen Projektwoche eine wichtige Rolle, man fing an, ins Schullandheim zu fahren, um die Klassengemeinschaft zu stärken, sich in sozialen Projekten zu engagieren, so z. B. mit Hilfsorganisationen oder der Übernahme der Patenschaft für das Straubinger Naturschutzgebiet Gollau. Unter Direktor Ludwig Erl fasste die Informationstechnologie weiter Fuß, ein Terminalserver mit einem hausinternen Netzwerk wurde installiert, der Stenografie-Unterricht durch Textverarbeitung am PC ersetzt. Der Schulentwicklung nahm sich die neu gegründete „Steuergruppe“ an, Eltern-Schüler-Seminare und das Fach „Lernen lernen“ bereichern den Bildungsbereich.

Die Erweiterung des Schulprofils

Die sprachliche, künstlerische und musische Erziehung erfuhr durch die Einführung der Wahlpflichtfächergruppen Französisch und Werken sowie dem Profil „Bläserklasse“ 2004 eine Bereicherung. Zur 50-Jahr-Feier 2007 präsentierte sich die JSR als moderne Bildungseinrichtung, deren Schülerzahlen 2010 fortlaufend gestiegen waren und mit 701 Jungen in 26 Klassen ihren Höchststand erreicht hatten. In den vier Jahren der Schulleitung von Peter Much wurde die 5. Jahrgangsstufe als sogenannte „Gelenkklasse“ definiert und eine Grundschullotsin kam an die Schule, um den Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule zu unterstützen und den Schülern der Jahrgangsstufe 5 dabei zu helfen, sich in den neuen Strukturen, in der Gestaltung des Unterrichts und im Schulalltag an zurechtzufinden. Das Unterrichtskonzept KOMPASS, welches sich der Stärkung des Schülers und seines Selbstbewusstseins verschrieben hat, wurde als weitere Lehrmethode aufgegriffen.

 

Neben vielen verwaltungstechnischen Veränderungen wie der Einführung eines EDV-unterstützten Schulverwaltungsprogramms misst sich Schule von heute auch an Qualität nach innen und außen. Die JSR wurde vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung inzwischen dreimal extern evaluiert. In anschließenden Zielverein-barungen und Handlungsfeldern schieb man jeweils die Schwerpunkte der schulischen Weiterarbeit fest. 2006, 2009 und 2015 wurde die JSR als beste Realschule Niederbayerns in außerunterrichtlichen Aktivitäten ausgezeichnet. Die erfolgreiche Teilnahme an vielen Wettbewerben in allen Bereichen des schulischen Lebens und die große Anerkennung aus Wirtschaft, Industrie, Handwerk und Dienstleitung zeugen von der hohen Qualität dieser Schule und ihren Absolventen. Seit 2012 von Regina Houben geleitet, wurde nicht nur weiter renoviert, sondern vor allem das Schulprofil durch identitätsstiftende Elemente wie ein schuleigenes Hausaufgabenheft und eine JSR-Sammelmappe, durch ein eigenes Konzept zur Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Elternhaus, einen von Schülern organisierten Getränkeverkauf und ein Schülerfrühstück gestärkt. Im Schuljahr 2014/15 erweiterte die Jakob-Sandtner-Realschule ihr schulisches Angebot um eine Offene Ganztagsbetreuung und damit ihren Lebensraum auch am Nachmittag für Kinder der 5. bis 8. Jahrgangsstufe, deren Eltern berufstätig sind und keine weitere Betreuungsmöglichkeit haben. Durch die Kooperation mit der evangelischen Jugend der Christuskirche Straubing hat diese Ganztagsschule eine große Bereicherung erfahren. Ein reges Schulleben mit regelmäßigen Konzerten, Theateraufführungen, Projekten und Präsentationen zeugt von der immensen Vielseitigkeit dieser Schule, die auch im digitalen Zeitalter mit modernster medialer Ausstattung punkten kann.

 

Die Früchte der programmatischen Schulentwicklung

Im Jahr 2016 erhielt die JSR zwei Anerkennungen vonseiten des Kultusministerium, zum einen die Auszeichnung „klasse.im.puls“ für die langjährige erfolgreiche Arbeit mit Bläserklassen und zum anderen das Prädikat „MINT-freundliche Schule“ für das breitgefächerte Engagement im mathematisch-informationstechologisch-naturwissen-schaftlich-technischen Bereich. Dem aktuellen Schulentwicklungsprogramm kann man die Vielfalt dieser Schule entnehmen, die sich das Leitbild eines Kompasses gegeben hat, weil sie wegbereitend ist. Die Jakob-Sandtner-Realschule zeigt verschiedene Wege auf, gibt Orientierung und stellt Weichen. In acht Leitzielen wird das Schulmotto „gemeinsam besser werden“ definiert. Für viele Lehramtsstudenten ist man Praktikumsschule und auch Fachoberschüler können hier ihre fachpraktische Ausbildung ableisten. Als Einsatzschule für Studienreferendare im letzten Ausbildungsabschnitt leistet die JSR einen wesentlichen Beitrag zur Ausbildung von Realschullehrkräften. In der Kooperation mit der FOS Straubing wird ein wichtiger alternativer Bildungsweg zum Abitur verfolgt, der sich in zahlreichen unterrichtlichen wie fachlichen Aktionen beider Schulen widerspiegelt. Die Schulleitung hat zusammen mit dem Schulentwicklungsteam ein Vertretungs- und ein Fortbildungskonzept entwickelt, das auf die schulischen Bedürfnisse abgestimmt ist. In kollegialem Austausch mit dem Elternbeirat und dem Schulforum konnten somit alle relevanten Bausteine für ein modernes Schulleben zusammengetragen werden.

 

In 2017 feierte die Jakob-Sandtner-Realschule mit drei großartigen Veranstaltungen ihr 60-jähriges Bestehen mit einem Festakt, einer Schultheateraufführung und einem Schulfest mit Ehemaligentreffen.

Seitdem entwickelt sie sich ständig in fachlicher wie pädagogischer Hinsicht fort. Sie erweiterte ihr Schulprofil um eine digitale Säule, die mit der mehrfachen Auszeichnung als MINT-freundliche Schule und 2020 als Digitale Schule Rechnung trägt. Die JSR wird damit den Herausforderungen der aktuellen Zeit gerecht, sie kann junge Menschen bestens auf die reale Welt vorbereiten, die sportlich, musisch und kreativ sind oder Technik und Naturwissenschaften lieben. Für die sprachlich Begabten bietet sie neben einem über zwanzig Jahren bestehenden Schüleraustausch mit Südafrika Französisch als zweite Fremdsprache an. Als Modellschule für die Abschlussprüfung in IT ist sie wegbereitend auch auf diesem Gebiet. Gemeinsame Projekte, beispielsweise mit dem Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe, dem Malteser Hilfsdienst und vielen weiteren Institutionen und Firmen, eröffnen den Realschülern Perspektiven in verschiedenen Bereichen und gewährt einen Blick also über den Tellerrand hinaus, was wiederum dem Zielgedanken und Leitbild dieser Schule entspricht. So ist es der JSR ein ehrliches Anliegen, die individuellen Neigungen junger Menschen zu fördern und ihre fachlichen, methodischen und sozialen Fähigkeiten zu stärken. Der Realschulabschluss ist damit die beste Voraussetzung für eine berufliche Ausbildung oder den Einstieg in eine weitere schulische Laufbahn.

 

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