Zwischen Bläserklang, Bühnenzauber und Likes - Kulturabend der JSR begeisterte mit Musik, Rockklassikern und einer modernen „Schneewittchen“-Inszenierung
Besonders beeindruckend war dabei die Entwicklung, die sich im Laufe des Abends wie ein roter Faden durch das Programm zog. Während Elisabeth Espach (5B) nach nur sechs Monaten Unterricht gemeinsam mit Lehrkraft Andrea Dietlmeier das Stück „Aura Lee“ aufführte und damit große Souveränität bewies, zeigte Simon Stumpf (10C) mit einem virtuosen Rondo auf dem Euphonium, wohin musikalische Hingabe über Jahre führen kann.
Spätestens beim klassenübergreifenden Chor der 5. Jahrgangsstufe war der Funke endgültig auf das Publikum übergesprungen. Begleitet von Ukulelenklängen der 6. Klassen „verzauberten“ die Schülerinnen und Schüler mit dem Titel „Musik ist ein Zauber“ ihr Publikum, welches ganz im Sinne der Liedzeile „Musik ist Freude pur für Zunge und Ohr“ begeistert im Takt mitwippte.
Die jungen Musiker von Brass4You entführten ihr Publikum mit dem „Elfentanz“ in eine fantasievolle Klangwelt, ehe sie es mit musikalischem Hufgeklapper direkt in den Wilden Westen versetzten. Anschließend übernahm die Schulband die Bühne und brachte mit Rockklassikern wie „Come As You Are“, „Have You Ever Seen the Rain“ oder „Should I Stay or Should I Go“ echtes Konzertfeeling in den Turnsaal. Besonders bei „Ein Kompliment“ wurde deutlich, wie selbstverständlich Musik Menschen verbindet – auf der Bühne ebenso wie davor.
Nach der Pause, in der die Zuschauer von engagierten Schülern mit Erfrischungen versorgt wurden, zeigte sich die Bühne in einem anderen Licht. Wo zuvor noch Konzertatmosphäre geherrscht hatte, begann nun eine moderne Interpretation des Märchens „Schneewittchen“. Doch hier ging es längst nicht mehr nur um Schönheit. Im Mittelpunkt standen soziale Medien, Followerzahlen, Likes und der Druck permanenter digitaler Aufmerksamkeit.
Adela Edelmann (5D) überzeugte als böse Königin, die zunehmend daran zerbrach, dass ihre Stieftochter Schneewittchen in den sozialen Medien erfolgreicher war als sie selbst. Nicole Lukesch (5D) verlieh Schneewittchen dabei eine bemerkenswerte Vielschichtigkeit: mal gefeierte Influencerin, mal verletzliche Jugendliche auf der Suche nach Anerkennung.
Besonders spannend wirkte die Rolle des Erzählers, gespielt von Korbinian Schmiegelt (8C). Immer wieder durchbrach er die Handlung, kommentierte, ordnete ein und wurde damit beinahe zu einer Stimme der digitalen Gegenwart – ein Fenster in eine Welt zwischen Selbstinszenierung und Sehnsucht nach Bestätigung.
Und dann waren da natürlich noch die acht Zwerge: herrlich unterschiedlich, voller Witz und mit viel Gespür für Timing gespielt. Jeder einzelne brachte den ganz eigenen Charakter seiner Figur auf die Bühne und sorgte nicht nur für zahlreiche Lacher, sondern auch dafür, dass das Publikum mitfieberte, wenn die böse Königin Schneewittchen erneut mit vermeintlich harmlosen „Must-haves“ wie Gürtel oder Styling-Kamm manipulieren wollte.
Das Finale verband Humor mit einer klaren Botschaft: Gemeinschaft ist stärker als Neid, Konkurrenz und digitale Oberflächlichkeit. Die böse Königin wurde schließlich dorthin verbannt, wo für moderne Menschen vermutlich der wahre Albtraum beginnt – in die Minen ohne Netzempfang.
Was diesen Abend jedoch besonders machte, war nicht allein das abwechslungsreiche Programm. Beeindruckend war vor allem, mit welcher Selbstverständlichkeit die Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernahmen, sich gegenseitig unterstützten und gemeinsam etwas auf die Beine stellten, das weit über einen klassischen Schulabend hinausging. Man spürte in jeder Szene, jedem Lied und jedem Übergang, wie viel Engagement, Kreativität und Teamgeist in diesem Projekt steckten.
Dass die Theatergruppe erst zu Beginn des Schuljahres in dieser Konstellation zusammengefunden hatte, machte die Leistung umso bemerkenswerter. Entsprechend würdigte auch Schulleiterin Regina Houben am Ende des Abends den Einsatz aller Beteiligten. Solche Veranstaltungen, betonte sie, seien wertvoll, weil sie jungen Menschen die Möglichkeit gäben, ihre Talente sichtbar zu machen und Schule einmal ganz anders erlebbar werde.
Und genau das gelang an diesem Abend eindrucksvoll: Der erste Kulturabend der Jakob-Sandtner-Realschule war laut, leise, humorvoll, nachdenklich, rockig und berührend zugleich – vor allem aber war er ein Abend voller Leben.
Nadine Zukowski